top of page
Fischernetz

Aquakultur

Der unstillbare Hunger nach Fisch

Die natürlichen Fischbestände schrumpfen aufgrund von Überfischung und anderen Umweltproblemen weiterhin. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Meeresfrüchten seit 1961 doppelt so schnell gewachsen wie die Weltbevölkerung. Aquakultur genannt, hat sich als Möglichkeit etabliert, diese steigende Nachfrage zu decken. Heute stammt fast die Hälfte des weltweit verzehrten Fisches aus Aquakulturen. Die Aquakultur wächst dreimal so schnell wie die Landwirtschaft an Land und expandiert rasant, da die Bestände wildlebender Fische weiter zurückgehen.

Was ist Aquakultur?

Aquakultur bezeichnet die Zucht von Wassertieren und -pflanzen wie Fischen, Schalentieren und Algen in kontrollierten oder halbkontrollierten Umgebungen. Sie kann sowohl in Süß- als auch in Salzwasser stattfinden. Die Zuchttiere können in Becken an Land (Teichkulturen) oder in umzäunten Bereichen im Meer (Käfigkulturen) gehalten werden, entweder in ruhigen, flachen Gewässern oder auch im offenen Ozean.
Die Aquakultur wird stark von wenigen Arten dominiert, insbesondere von Karpfen, Garnelen, Lachs und Tilapia. Sie wachsen schnell, sind relativ günstig in der Aufzucht und sehr gefragt. Allerdings bestehen bei jeder Art Umwelt- und Tierschutzbedenken.

Die Karpfenzucht führt zu Nährstoffverschmutzungen in Flüssen und Seen, was Algenblüten begünstigt und Ökosysteme erstickt. Wenn diese invasiven Fische entkommen, verdrängen sie einheimische Arten und zerstören die aquatische Artenvielfalt dauerhaft.

Die Garnelenzucht hat riesige Mangrovengebiete zerstört und damit natürliche Küstenschutzmechanismen und Kinderstuben für Meereslebewesen vernichtet. Der übermäßige Einsatz von Antibiotika fördert resistente Bakterien, und verlassene Garnelenteiche verwandeln sich oft in giftige Ödlandgebiete.

Lachsfarmen verbreiten Parasiten und Krankheiten in den Wildbeständen und bringen so die gefährdeten Lachse an den Rand des Aussterbens. Die Industrie entsorgt zudem enorme Mengen an Abfall und verwendet Wildfische als Futtermittel, wodurch die Ozeane, die sie angeblich schützen will, ausgebeutet werden.

Tilapia wird als nachhaltige Proteinquelle vermarktet, doch ihre Produktion basiert maßgeblich auf Soja und Mais, die mit Abholzung in Verbindung stehen. Wenn sie entkommen, vermischen sie sich mit wilden Populationen und zerstören so die einheimische genetische Vielfalt.

Aquakultur: Eine versteckte Bedrohung für unsere Ozeane

Die Liste potenzieller Bedrohungen für unsere Ozeane ist lang. Große Fischflüchtlinge aus Fischfarmen können das natürliche Gleichgewicht durch Veränderungen der Nahrungsketten stören. Überfüllte Fischkäfige und steigende Meerestemperaturen führen zu noch mehr Fischsterben und Krankheiten. Hinzu kommt, dass Käfige im offenen Meer die Wanderrouten von Walen und Delfinen behindern und empfindliche Meeresgebiete schädigen können, insbesondere wenn Käfige und Netze verloren gehen und Meerestiere darin verfangen.

Ein weiteres Problem stellen die Abfälle aus Fischzuchtbetrieben dar, wie beispielsweise nicht gefressenes Futter, Fischkot und Antibiotika. Diese Abfälle schädigen den Meeresboden, verursachen schädliche Algenblüten und verringern die Artenvielfalt. Auch die Fischzucht an Land kann die Umwelt schädigen, wenn giftiges Wasser in nahegelegene Gebiete gelangt oder natürliche Lebensräume für den Bau der Anlagen zerstört werden.

Fische an Fische verfüttern

Viele der profitabelsten Zuchtarten wie Lachs und Garnelen sind Fleischfresser, das heißt, sie ernähren sich nicht von Pflanzen, sondern von anderen Fischen. Um sie zu züchten, werden Milliarden von Wildfischen aus den Ozeanen gefangen, zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet und in Aquakulturanlagen wieder verfüttert. Dies führt zu einem brutalen Paradoxon: Anstatt den Druck auf die Ozeane zu verringern, verschärft die Fischzucht die Überfischung sogar. Heute verbraucht die Aquakultur etwa 70 % des weltweiten Fischmehls und 73 % des Fischöls und dezimiert dabei kleine pelagische Fische wie Sardellen, Sardinen und Makrelen – Arten, die eine lebenswichtige Nahrungsquelle für Seevögel, Meeressäugetiere und Küstengemeinden darstellen. Kurz gesagt: Die Aquakultur schließt nicht die Lücke im Fischangebot – sie vergrößert die ökologische Schuld, die unsere Ozeane zu tragen haben.

Leeres Versprechen von Arbeitsplätzen und Stabilität

Aquakulturunternehmen behaupten oft, Tausende von Arbeitsplätzen zu schaffen, doch die Realität sieht weitaus unsicherer aus. Viele Betriebe verlagern ihre Produktion mittlerweile in Entwicklungsländer, wo die Gesetze schwächer und die Kontrollen minimal sind. Dies erleichtert es, Abstriche bei den Standards zu machen und erschwert den Schutz der lokalen Bevölkerung und der Ökosysteme. Anstatt den Hunger zu bekämpfen, handelt es sich bei den meisten Zuchtarten um Luxusprodukte wie Lachs und Garnelen, die in wohlhabende Märkte exportiert werden, während die lokalen Gemeinschaften den Zugang zu ihren traditionellen Fischgründen verlieren. Erschwerend kommt hinzu, dass billiger Wildfisch zu Futtermitteln für diese Aquakulturen verarbeitet wird – und damit den Menschen, die auf diese Nahrung angewiesen sind, direkt das Essen entzieht. Anstatt Stabilität zu schaffen, verschärft die Aquakultur oft die Ungleichheit, zerstört Lebensgrundlagen und gefährdet langfristig sowohl Arbeitsplätze als auch die nationalen Fischexporte.

Aquakultur in Namibia

Die Atlantik-Lachszucht kommt nach Lüderitz, Namibia – als Afrikas erste industrielle Massen-Aquakultur (Details zur Umweltverträglichkeitsprüfung hier).

Der Benguela-Strom bietet ideale Bedingungen: kaltes Wasser, keine Seeläuse, keine Wildlachse. Die African Aquaculture Company (AAC) plant – mit norwegischer Rückendeckung – die Produktion von jährlich 100.000 Tonnen Lachs an drei Standorten. AAC wirbt mit Arbeitsplätzen und wirtschaftlichem Aufschwung für Lüderitz.

Doch lokale Umweltschutzorganisationen wie Ocean Conservation Namibia schlagen Alarm. Globale Präzedenzfälle zeigen: Solche Großprojekte führen oft zu massiven Umweltschäden und gebrochenen Versprechen. AAC verspricht bis zu 20.000 Jobs – doch die Nachhaltigkeit dieser Stellen ist zweifelhaft. Oft sind es nur kurzfristige Verträge ohne rechtliche Bindung. Zudem ist Lüderitz mit nur 16.000 Einwohnern völlig unvorbereitet: Die Infrastruktur droht unter diesem rasanten Wachstum zu kollabieren.

Die Lachszucht wird als wirtschaftlicher Segen vermarktet, doch hinter den Kulissen droht ein ökologischer und sozialer Albtraum. Während Unternehmen nach ökologischen Schäden selten zur Rechenschaft gezogen werden, trägt Namibia das volle Risiko: Fäkalien-Ansammlungen, Massenausbrüche und der Einsatz von Antibiotika in offenen Gewässern gefährden das Ökosystem. Trotz fehlender Seeläuse bleibt das Risiko von Krankheitsausbrüchen durch die Enge der Netzgehege massiv – eine direkte Bedrohung für Namibias Fischereiindustrie und deren 18.100 Arbeitsplätze.

Das Versprechen, die Ernährungssicherheit vor Ort zu verbessern, ist eine Farce. Lachs ist ein Luxusprodukt für den Export nach Europa. Für die Mehrheit der Namibier – von denen 55 % arbeitslos sind – bleibt dieser Fisch unbezahlbar.

 

Schwache Regulierung ist ein Geschäftsmodell: die Umweltverträglichkeitsprüfung (EIA) gibt zu: Namibia fehlen die Kapazitäten für Kontrollen und Durchsetzung. Es ist ein bekanntes Muster: Konzerne siedeln sich dort an, wo schwache Gesetze den Raubbau erleichtern, der anderswo längst verboten wäre.

Zusätzliche Gefahren für das Ökosystem:

  • Extreme Wetterereignisse: El Niño und schwere Stürme bedrohen die Anlagen.

  • Tödliche Fallen: Netze und Seile führen zu tödlichen Verhedderungen von Walen, Delfinen und Robben.

  • Tourismus in Gefahr: Die industrielle Zerstörung bedroht die Küstenlandschaft, von der der Tourismus lebt.

Globale Warnsignale werden ignoriert

Weltweit scheitert dieses Modell: Argentinien hat die Käfighaltung wegen massiver Verschmutzung bereits verboten. In Tasmanien führte die Überfüllung zu Massensterben und Sauerstoffmangel.

Trotz internationaler Warnungen beginnt die Pilotphase. Doch Versprechen sind keine Sicherheit. Namibia braucht Transparenz und echte Rechenschaftspflicht, statt die Zukunft seiner Ökosysteme für kurzfristige Gewinne zu opfern.

Erfahren Sie mehr in der Informationskampagne von OCN:

"Fish Farming"

Abonnieren Sie Unseren
Monatlichen Newsletter!

Möchten Sie frühere Ausgaben lesen? Besuchen Sie unser Newsletter-Archiv.

Möchten Sie unseren kostenlosen PDF-Kalender für 2026 herunterladen? Klicken Sie HIER.

  • Instagram
  • Facebook
  • X
  • LinkedIn
  • Youtube
  • TikTok

 

Der Ocean Conservation Namibia Trust ist eine beim Obersten Gerichtshof Namibias eingetragene gemeinnützige Stiftung.

Ocean Conservation Namibia, Postfach 5304, Walvis Bay, Namibia

Ocean Conservation International ist in den USA als gemeinnützige Organisation gemäß Kapitel 501(c)(3) registriert.

Ocean Conservation International, 8 The Green, STE A, Dover, DE 19901

Schreiben Sie uns: info@ocnamibia.org

Für weitere Informationen zu unseren Rettungsaktionen besuchen Sie bitte unsere Seite mit häufig gestellten Fragen .

bottom of page